Das von Forscherenden am Fachbereich Latinistik des Departements Altertumswissenschaften der Universität Basel getragene Projekt befasst sich mit dem Humanisten Johannes Atrocianus (floruit 1530), der in Basel wirkte und die antireformatorische Werke Elegia de bello rustico, Nemo Evangelicus, Mothonia, Querela Missae und Epigrammata verfasste. Beim Basler Atrocian-Projekt handelt es sich um die Ersterschliessung eines Autors, der mit den grossen Humanisten seiner Zeit (Erasmus, Beatus Rhenanus, Froben) Umgang pflegte. Das Projekt, das aus den Opera Poetica Basiliensia hervorgegangen ist, versteht sich als Beitrag zur Basler Reformationsgeschichte, indem es einer der wenigen erhaltenen Stimmen der katholischen Gegenseite Gehör verleiht.

Christian Guerra
Dept. Altertumswissenschaften der Universität Basel, Latinistik
Petersgraben 51
4051 Basel

Tel: +41 (0)61 267 2733

Bd. XV: Autobiographische Schriften und Protokolle zu Drogenversuchen.
Der am Deutschen Seminar der Universität Basel zu edierende Band 15 wird Benjamins Autobiographische Schriften und Protokolle zu Drogenversuchen im geschichtlichen, politischen und künstlerischen Kontext des Gesamtwerks und der Persönlichkeit Walter Benjamins zusammenhängend darbieten und kommentieren. Die Bedeutung der Schriften dieses Bandes liegt in ihrer philosophisch-kulturgeschichtlichen Aussagekraft für Benjamins Lebenssituation und seine intellektuelle Produktionsweise. Kernstück des Bandes ist das sogenannte Moskauer Tagebuch Benjamins.

Die Edition hat die Briefwechsel von folgenden Basler Mathematikern und Physikern aus dem 17. und 18. Jh. zum Gegenstand: Daniel I (1700-1782), Jacob II (1759-1789), Johann I (1667-1748), Johann II (1710-1790), Nicolaus I (1687-1759), Nicolaus II (1695-1726) Bernoulli und Jacob Hermann (1678-1733) und erschliesst damit zum ersten mal eine bedeutende wissenschaftshistorische Quelle. Die Edition umfasst die kritisch konstituierten Brieftexte, inhaltliche Kommentare zu den Briefen, ein ausführliches Briefinventar, das online durchsucht werden kann, und digitale Bilder der Originalhandschriften, die ausgehend von jeweiligen edierten Brief eingesehen werden können (Vgl.Bernoulli-Varignon-Korrespondenz).

Dr. Fritz Nagel
Bernoulli-Briefwechsel-Edition, Universitätsbibliothek Basel
Schönbeinstrasse 18-20
4056 Basel

Tel: +41 (0)61 267 31 41

Die grossen Basler Mathematiker des 17. und 18. Jahrhunderts – acht Mitglieder der Bernoulli-Dynastie und Leonhard Euler – erhalten in den nächsten Jahren eine gemeinsame Internet-Plattform. «Bernoulli-Euler OnLine» (BEOL) – ein gemeinsames Projekt des Bernoulli-Euler- Zentrums und des Digital Humanities Lab – wird mittelfristig die sämtlichen Werke, Handschriften und Briefwechsel dieser Gruppe von bedeutenden Wissenschftern digital präsentieren: vom Faksimile über die kritische Edition und Übersetzungen bis zu neuesten Forschungserkenntnissen. Neben der Integration der hier separat beschriebenen Projekte BEBB und LEOO entsteht in der ersten Phase eine vollständige, genuin digitale Edition der «Meditationes» von Jacob I Bernoulli (1654–1705); dieses bisher erst teilweise veröffentlichte wissenschaftliche Tagebuch umfasst wichtige Forschungsarbeiten – insbesondere zur Differentialgeometrie und zur Stochastik – im Kontext des grossen Umbruchs der Mathematik um 1700.

Dieses Editionsprojekt hat den letzten Drittel der Briefe zwischen den Mathematikern Johann I Bernoulli und Pierre Varignon zum Gegenstand. Es handelt sich um eine hybride Edition, die sowohl online als Bestandteil der BEBB als auch als gedruckter Briefband erscheint. Mit diesem Projekt wird die bisher in Buchform erschienene Edition dieser Korrespondenz abgeschlossen.

Seit 1971 sind im Theologischen Verlag Zürich bisher mehr als 50 Bände der vom Leiter des Karl Barth-Archivs herausgegebenen Karl Barth-Gesamtausgabe erschienen. In ihr werden Barths Texte in einer für die wissenschaftliche Beschäftigung maßgeblichen Form präsentiert, die zugleich für einen größeren Interessentenkreis lesbar und verstehbar sein soll. Jeder Band wird von einem dafür besonders geeigneten Herausgeber in der Regel unentgeltlich bearbeitet. Die Gesamtausgabe gliedert sich in fünf Abteilungen: I. Predigten, II. Akademische Werke, III. Vorträge und kleinere Arbeiten, IV. Gespräche, V. Briefe. Voraussichtlich werden insgesamt 75 Bände erscheinen.

Vorlesungen zur Geschichte des Mittelalters (JBW 24 und 25), Vorlesungen zur neueren Geschichte, Bd. 2 (JBW 27)
Um die zu drei Vierteln fertiggestellte kritische Gesamtausgabe von Jacob Burckhardts Werken (28 Textbände) zu vollenden und das Gesamtwerk in seinen vielversprechendsten neuen Aspekten zu erschliessen, gilt es noch eine Reihe von höchst bemerkenswerten Vorlesungskonvoluten aus dem Nachlass im Basler Staatsarchiv zu edieren. Den als Zyklus von der Antike bis in die Gegenwart aufgebauten, mehrfach überarbeiteten und gehaltenen Vorlesungen galt während Jahrzehnten Burckhardts grösste Aufmerksamkeit. Als die „Cultur der Renaissance in Italien“ im Druck war, hielt der als Mediävist ausgebildete Burckhardt etwa seine Vorlesungen über Kulturgeschichte des Mittelalers; wer diesen Kurs nachvollzieht, wird auch das berühmte Buch vor einem ganz neuen, anderen Hintergrund sehen lernen.

Die vom Bundesrat eingesetzte Unabhängige Expertenkommission Administrative Versorgungen untersucht die Geschichte der administrativen Versorgungen in der Schweiz im Verlauf des 20. Jahrhunderts. Ein wichtiger Bestandteil dieser Untersuchungen besteht aus einer Online-Edition von Oral-History- und weiteren Quellendokumenten, in denen unter anderem Betroffene von administrativen Versorgungen, gegebenenfalls auch Vertreter von Einrichtungen, ihre Perspektive in lebensgeschichtlichen, narrativen Interviews erzählen. Die Plattform soll bis Ende 2016 eingerichtet werden.

Projektbeginn: 1.1.15, Laufzeit 4 Jahre

Projektadresse

Unabhängige Expertenkommission Administrative Versorgungen
Postfach
3003 Bern
 

Jacques Delille, dont les poèmes participent d’un renouveau esthétique situé à la charnière des Lumières et du romantisme, compta parmi les auteurs français les plus admirés de son temps. Après sa mort, il devient pourtant un repoussoir, moqué puis oublié, non sans laisser une trace profonde dans la littérature ultérieure. Soutenu par le FNS, le projet a trois objectifs: publier la première édition critique de l’œuvre de Delille ; analyser à nouveaux frais son esthétique ; reconstituer les dynamiques culturelles qui caractérisent la réception de sa poésie jusqu'à la fin du XIXe siècle (cette dernière réflexion est notamment nourrie par la constitution, en collaboration avec le Digital Humanities Lab de l’université de Bâle, d’une base de données inventoriant les échos que Delille a reçus dans la culture européenne).

Prof. Dr. Claire Jaquier
Université de Neuchâtel, Institut de littérature française
Espace Louis-Agassiz 1
2000 Neuchâtel

Tel: +41 (0)32 718 18 23

Die zum 200. Geburtstag Leonhard Eulers im Jahre 1907 durch die Schweizerische Naturforschende Gesellschaft (SNG) begonnene Ausgabe der Werke und Briefe Leonhard Eulers liegt heute in den Händen der Euler-Kommission der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT). Die Zahl von 81 vorgesehenen Bänden in vier Reihen (Mathematik, Mechanik/Astronomie,Physik/Varia,Briefwechsel) soll bis ins Jahr 2017 erreicht werden. Die Herausgabe der Manuskripte (Series IVB) wird im Rahmen des Projekts „Euler Heritage“ online erfolgen, wobei zunächst über 30'000 Manuskriptseiten, die zu einem grossen Teil im Archiv der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg aufbewahrt werden, zugänglich gemacht werden sollen.

Für die wissenschaftliche Erschliessung der mittelalterlichen Handschriften, eine wichtige Grundlage für die Arbeit der Mittelalterforschung in all ihren Aspekten, fehlt den mittleren und kleinen Bibliotheken in der Regel das nötige qualifizierte Personal. Das Kuratorium „Katalogisierung der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Handschriften der Schweiz“ der SAGW hat deshalb seit 1989/90 Katalogisierungsprojekte von Handschriften in 20 Bibliotheken und Archiven begleitet. Im Rahmen des Call for editions beantragen Vertreter/-innen des Kuratoriums ein Langzeitprojekt, welches die verbleibenden ca. 500 Handschriften in den bisher nicht berücksichtigten kleinen und mittleren Bibliotheken abdecken soll.

Das vom Schweizerischen Nationalfonds mitfinanzierte deutsch-schweizerische Editionsprojekt „Der späte Nietzsche“ veröffentlicht Friedrich Nietzsches Nachlass von Frühjahr 1885 bis Januar 1889 erstmals integral und manuskriptgetreu. Diese Heft- und Mappenedition erscheint seit 2001 als Abteilung IX im Rahmen der von Giorgio Colli und Mazzino Montinari begründeten Kritischen Gesamtausgabe der Werke (KGW).

Kuno Raeber (1922-1992) hat, neben seinen erzählerischen und essayistischen Texten, sechs Gedichtbändchen publiziert, die nur die Spitze eines gewaltigen lyrischen Oeuvres bilden. Das Projekt der historisch-kritischen Online-Edition bezweckt die Erschliessung und benutzerfreundliche Präsentation des gesamten lyrischen Nachlasses: vom Notizbuch-Entwurf über die meist vielfachen Manuskriptfassungen bis zur Typoskript-Reinschrift (und gegebenenfalls zur Druckfassung). Die edierten Texte werden ergänzt durch rund 4000 Handschriften-Digitalisate mit parallelen diplomatischen Umschriften, die die Hervorhebung genetischer Schichtungen erlauben.

Dr. Walter Morgenthaler
Sperrstrasse 40/18, Postfach 402
4005 Basel

Tel: +41 (0)61 692 25 50

Das Deutsche Glossarium von J. J. Sprengs (1699 – 1768, zuletzt Prof. für Griechisch, ursprünglich Theologe und über viele Jahre „der deutschen Bered- und Dichtkunst, wie auch der helvetischen Geschichte offentlicher Lehrer“ an der Universität Basel) war mit seinen 93 000 Artikeln nicht nur das erste, sondern auch das grösste deutsche Wörterbuch vor Grimm. Das zur Entstehungszeit nicht gedruckte Historisch-Etymologische Wörterbuch wird in Form einer Druckvorlage von 20 handschriftlichen Bänden und einer ergänzenden Schachtel von Belegzetteln in der Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek Basel verwahrt. Ein freiwilliges Expertenteam unter der Leitung von Prof. em. H. Löffler ist dabei, eine Transkription in zweispaltigem Druckformat zu erstellen, um nach 250 Jahren der Fachwelt dieses sensationelle Material im Internet und als Druckversion zugänglich zu machen.

Das Visual Archive Southeastern Europe, kurz VASE, will das visuelle Erbe Südosteuropas bewahren und international bekannt machen. Südosteuropa ist eine Region, die im europäischen Kontext oft als „the Other within“ (M. Todorova) wahrgenommen wird und entsprechend mit Vorurteilen behaftet ist. Die breite Auswahl an Bildertypen, die nebst ethnografischer, Studio-, Strassen- und Pressefotografie sowie Postkarten aus dem 19. und 20. Jahrhundert in Kürze auch Filmplakate und Film-Stills umfassen wird, soll zur Reflexion über die (Selbst-)Bilder des Balkans und der Türkei sowohl in der akademischen Welt wie in der breiten Öffentlichkeit beitragen. Das Projekt wurde von der Abteilung für Südosteuropäische Geschichte und Anthropologie der Universität Graz initiiert und ging 2012 online. Seit 2013 wird es in Kooperation mit den Nahoststudien der Universität Basel getragen und projektweise ausgebaut. Neben zahlreichen Museen und Archiven in Albanien, Bosnien-Herzegovina, Bulgarien, Österreich, Rumänien, Serbien und der Türkei tragen auch private Sammler und FotografInnen Bildmaterial bei, unter anderem der bekannte bosnisch-jugoslawische Fotograf Alija M. Akšamija (1919–2016).

Prof. Dr. Nataša Miškovic
Seminar für Nahoststudien der Universität Basel
Maiengasse 51
4056 Basel

Tel: 061 207 19 91

Prof. Dr. Karl Kaser
Südosteuropäische Geschichte und Anthropologie der Universität Graz
Mozartgasse 3
8010 Graz Österreich

Tel: +43 316 380 23 52

Die seit 2007 an den Universitäten Basel und Zürich erarbeitete Kritische Robert Walser-Ausgabe (KWA) hat zum Ziel, erstmals das gesamte Werk Robert Walsers dokumentarisch zugänglich zu machen. Sie ist als Verbindung von Buchausgabe und elektronischer Edition (KWAe) angelegt, die neben dem edierten Text auch sämtliche Textträger (Manuskripte bzw. Drucke) als Faksimile wiedergibt. Durch die systematische Dokumentation der Materialität und der Medialität von Walsers schriftstellerischer Produktion ermöglicht die Edition Einsichten in die Werkentwicklung und die Rolle der graphisch-ästhetischen Dimension des Schreibprozesses für die Poetik Walsers.

Die Anton Webern Gesamtausgabe (AWG) ist eine historisch-kritische Edition, die das gesamte kompositorische Schaffen Anton Weberns der Öffentlichkeit in wissenschaftlich angemessener und der musikalischen Praxis dienender Form zugänglich machen will. Die AWG entsteht am Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Basel in enger inhaltlicher Zusammenarbeit mit der Paul Sacher Stiftung, Basel, wo der größte Teil der überlieferten Webern-Quellen aufbewahrt wird. Erscheinen wird die AWG ab 2016 in einer Print-/Online-Hybrid-Edition, deren gedruckte Bände bei der Universal Edition, Wien publiziert und deren online zugängliche Bestandteile auf der Plattform Knora/SALSAH des Digital Humanties Lab der Universität Basel präsentiert werden.

Die Universitätsbibliothek in Basel ist im Besitz einer kleinen Papyrussammlung von rund 65 Papyri aus ptolemäischer, römischer sowie spätantiker Zeit in überwiegend griechischer, aber auch hieratischer, lateinischer und koptischer Sprache, erworben im Jahre 1900 mit Hilfe des Freiwilligen Museumsvereins der Stadt Basel. In diesem vom SNF geförderten Editionsprojekt soll die Basler Sammlung durch eine Digitalisierung aller Papyri, Edition mit Übersetzung und Kommentar und eine neuesten Standards folgende Internetpräsentation auf internationalen Papyrusportalen den Forschenden weltweit zugänglich gemacht werden. Bei der Analyse der Papyri sollen modernste Verfahren zum Einsatz kommen, die in Kooperation der Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften entwickelt wurden. Des Weiteren wollen wir uns eines Themas annehmen, das erst in den letzten Jahren wachsende internationale Aufmerksamkeit gefunden hat: die Geschichte der Papyrologie als wissenschaftlicher Disziplin, die auch erhellend für die Geschichte und Beziehungen der internationale Wissenschaftsgemeinde im Verlauf des langen von zwei Weltkriegen geprägten 20. Jhs. ist.